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1
Den Dingen geht der Geist voran; der Geist entscheidet:
Kommt aus getrübtem Geist dein Wort und dein Betragen.
So folgt dir Unheil, wie dem Zugtier folgt der Wagen.
2
Den Dingen geht der Geist voran; der Geist entscheidet:
Entspringen reinem Geist dein Wort und deine Taten,
folgt das Glück dir nach, unfehlbar wie dein Schatten.
3
"Beraubt bin ich, besiegt, geschlagen und geschändet",
Solange man so denkt, wird Feindschaft nicht beendet.
4
"Beraubt bin ich, besiegt, geschlagen und geschändet'',
Wenn man so nicht mehr denkt, wird Feindschaft bald beendet.
5
Denn Feindschaft wird durch Feindschaft nimmermehr gestillt;
Versöhnlichkeit schafft Ruh' - ein Satz, der immer gilt.
6
Man denkt oft nicht daran, sich selbst zurückzuhalten;
Wer aber daran denkt, der läßt den Zorn erkalten.
(von Mahākaccayana = Theragāthā 498)
7
Wer nur das Schöne sieht, die Sinne nicht bewacht,
Nicht Maß beim Essen hält, durch Trägheit schwach sich macht,
Den wirft leicht Māra um, wie schwachen Baum der Wind.
(*8) 8
Wer auch das Schlimme sieht, die Sinne wohl bewacht,
Beim Essen mäßig ist, vertrauend stark sich macht,
Der bietet Mara Trotz, wie Felsgestein dem Wind.
9
Wer innen unrein ist und trägt das gelb' Gewand (*f1),
Von Zucht und Wahrheit fern, der macht dem Gelben Schand.
10
Wer innen sauber ist, in Sittlichkeit bewährt,
In Zucht und Wahrheit lebt, der ist des Gelben wert.
11
Wer Unechtes für echt, für unecht Echtes hält,
Der kommt zum Echten nie; sein Sinn ist falsch gestellt.
12
Wer Echt als echt erkennt und Unecht unecht find't,
Gelangt zum Echten hin, denn er ist recht gesinnt.
13
Wie Regen dringt ins Haus, wenn's Dach nicht gut belegt ist,
So sickert Gier ins Herz, wenn Denken nicht gepflegt ist.
14
Der Regen schadet nicht, wenn gut gedeckt das Haus;
Ist Denken gut gepflegt, dann bleibt Begierde aus.
15
Der Übeltäter seufzt hier und im nächsten Leben;
Er seufzt, weil er erkennt, wie übel war sein Streben.
16
Hier und auch nach dem Tod ist froh, wer Gutes tut;
Er freut sich, weil er weiß, sein Streben hier ist gut.
17
Der Übeltäter quält sich hier und drüben sehr;
Es quält ihn, was er tat; die Hölle quält ihn mehr.
18
Wer Gutes tat, der freut sich hier und drüben sehr;
Es freut ihn, was er tat; der Himmel freut ihn mehr.
19
Wer, ohne fromm zu sein, viel fromme Verse spricht,
Ist einem Hirten gleich, der fremdes Vieh verhandelt;
Er ist kein rechter Mönch, zu uns gehört er nicht.
20
Wer wenig Verse weiß, doch nach der Lehre wandelt,
Von Gier und Haß und Wahn in Weisheit frei geworden,
Nicht hier, nicht dort mehr hangt, gehört in unsern Orden.
(*f1) Das gelbe Gewand ist die Robe des Bhikkhus, des Buddhistenmönchs.
Appamāda - Ernst und Eifer
21
Unsterblich macht der Ernst; der Leichtsinn führt zum Tod.
Die Ernsten sterben nicht; Leichtsinn'ge sind wie tot.
22
Verständ'ge haben dies erkannt in ernstem Streben;
Mit Ernst genießen sie der Edlen Glückserleben.
23
Wer die Versenkung übt mit Eifer allezeit,
Erreicht Nirvana einst, die höchste Seligkeit.
24
Wer eifrig, achtsam, rein, in guter Tat erprobt
Und nach der Lehre lebt, der Ernste wird gelobt.
25
Mit Ernst und Eifer schafft der Weise, wohl gezähmt,
Für sich ein Eiland, das die Flut nicht überschwemmt.
(*26) 26
Unwissend Volk gibt sich dem Leichtsinn töricht hin;
Der Weise wahrt den Ernst als köstlichsten Gewinn.
(*27) 27
Dem Leichtsinn fröhnet nicht, an Liebeslust erfreut!
Wer ernst Versenkung übt, erlangt Glückseligkeit.
28
Gelang es ihm mit Ernst, den Leichtsinn zu besiegen,
So hat der Weise schon der Weisheit Turm bestiegen
Und schaut, selbst ohne Sorg', auf die besorgte Menge,
Als säh' von hohem Berg im Tal er das Gedränge.
29
Bei Leichtgesinnten ernst, wachsam, wo andre faul,
Der Weise schlägt sie, wie das Rennpferd schlägt den Gaul.
30
Durch Ernst kam Indra zu dem höchsten Götter-Adel.
Den Ernsten lobt man stets, den Leichtsinn'gen trifft Tadel
31
Der Ernste sieht den Leichtsinn als gefährlich an,
Die Fesseln brennt er ab und geht des Feuers Bahn (*f2).
32
Der ernste Mönch, der die Gefahr des Leichtsinns sah,
Ist sicher vor dem Fall und dem Nirvana nah.
(*f2) d.h., er erlischt wie das Feuer.
(*33) 33
Das Denken, flatterhaft, unbändig, obstinat,
Gleichwie der Schmied den Pfeil, macht es der Weise grad.
34
Dem auf das trockne Land geworfnen Fische gleich,
So quält das Denken sich, zu fliehn aus Māras Reich.
35
Das Denken schweift gern ab, man hält es schwer zurück;
Es zähmen, das ist gut; gezähmt bringt Denken Glück.
36
Das Denken schweift gern ab, entschwindet unserm Blick;
Der Weise hütet es; bewacht bringt Denken Glück.
37
Gedanken, ungreifbar, die selten stille standen,
Wer diese wohl beherrscht, löst sich aus Māras Banden.
38
Im Denken ohne Halt, der Lehre nicht beflissen,
Wer im Vertrauen schwankt, kommt nie zu weisen Wissen.
39
Im Denken nicht verwirrt und frei von Lustverlangen,
Jenseits von Gut und Schlecht - so ist die Furcht vergangen.
40
Der Leib zerbricht wie Ton; zur Festung Denken mache!
Mit Weisheitsschwert erschlag' den Mar und halte Wache!
(*41) 41
Wie bald wird dieser Leib tot liegen auf der Erd',
Bewußtlos wie aus Holz, verworfen, ohne Wert!
(*42) 42
Viel Schlimm'res, als ein Feind dem Feind je angetan,
Tut dem das Denken an, der's nicht beherrschen kann.
( = Udāna IV,3)
43
So Gutes können nicht die Eltern je dir schenken,
Auch die Verwandten nicht, wie gut beherrschtes Denken.
44
Wer wird die Todeswelt, die Erde überwinden,
Wer wird als Blumenstrauß das Buch der Sprüche (Dhammapada) binden?
45
Ein Kämpfer (*f4) wird die Welt, die Erde überwinden,
Wie einen Blumenstrauß das Buch der Sprüche binden.
46
Als Schaum erkenn' den Leib, als Luftbild ohne Kern,
Wehr' Māras Pfeile (*f5) ab, entgeh' dem Todesherrn!
47
Wer, wie man Blumen pflückt, nur an Vergnügen denkt,
Den raubt der Tod, wie Flut ein schlafend Dorf ertränkt.
48
Wer, wie man Blumen pflückt, sich Sinnenlust verschafft,
In Lüsten niemals satt wird er dahingerafft.
49
Die Biene nimmt nur Saft, läßt unverletzt die Blüten;
So soll sich auch der Mönch im Dorf vor Habgier hüten.
50
Der andern Fehler und ihr Tun geht dich nichts an;
Betrachte, was du selbst getan und nicht getan!
51
Der schönen Blume gleich, die keinen Duft ausstrahlt,
Ist schön gesproch'nes Wort, das ohne Tat verhallt.
52
Der schönen Blume gleich, die feinen Duft verbreitet,
Ist schön gesproch'nes Wort, das gute Tat begleitet.
53
Wie man manch schönen Kranz aus vielen Blumen macht,
So sei der Sterbliche auf viel Verdienst bedacht.
54
Jasmin- und Sandelduft geht nicht dem Wind entgegen;
Doch guter Menschen Ruf verbreit't sich allerwegen.
55
Viel fein'rer Duft als der des Weihrauchs und des Sandels,
Des Lotus, des Jasmins ist der des reinen Wandels.
56
Gering nur gilt der Duft des Weihrauchs und des Sandels;
Die Götter lieben mehr den Duft des reinen Wandels.
57
Wer, stets in strenger Zucht, vermöge ernsten Strebens
In Weisheit sich befreit, den sucht der Mar vergebens.
58
Gleichwie ein Lotus, der im Kehrichthaufen sprießt,
Selbst dort noch seinen Duft, den lieblichen, ergießt,
59
So strahlt im Kehrichtpfuhl der blinden Menschenschar
Ein Jünger Gotamas, des voll Erwachten, klar.
(*f4) Kämpfer = sekha; hier hat sich der Sammler der Sprüche selbst ein "Vergißmeinnicht" in den Blumenstrauß geflochten. Die Bescheidenheit verbietet ihm zwar, seinen Namen zu nennen, er deutet aber durch "sekha" an daß er den Pfad der Edlen betreten hat, jedoch noch kein "asekha", kein Heiliger, geworden ist.
(*f5) Māras Blumenpfeile sind die Versuchungen der Sinne.
60
Lang ist dem Wachenden die Nacht, dem Müd'n das Reisen,
Lang der Geburten Lauf den Toren, den unweisen.
61
Triffst du nicht Bess're oder Gleiche, geh allein
Auf deinem Weg; laß dich mit Toren niemals ein!
62
Mit Sorgen spricht der Tor: "Mein Geld und meine Kinder!"
"Sein" ist nicht mal er selbst, doch Kind und Geld noch minder.
63
Ein Tor, der sich als dumm erkennt, ist klug fürwahr;
Hält er sich selbst für klug, bleibt dumm er immerdar.
64
Ein Tor, der lebenslang verkehrt mit einem Weisen,
Schmeckt nichts von Wahrheit, wie der Löffel von den Speisen.
65
Ein Kluger, der nur kurz verkehrt mit einem Weisen
Schmeckt schnell die Wahrheit, wie die Zunge schmeckt die Speisen.
66
Wer, wie sein eig'ner Feind, sich selbst zu schaden sucht,
Der Tor tut böse Tat und erntet bitt're Frucht.
67
Nicht gut ist eine Tat, die dich zur Reue zwingt
Und die, wenn ausgereift, dir Schmerz und Tränen bringt.
68
Gut aber ist die Tat, die niemals du bereust,
An der, wenn ausgereift, du dich mit Recht erfreust.
69
Untat, die noch nicht reif, scheint Toren süß zu sein;
Doch ist sie ausgereift, bringt sie dem Toren Pein.
70
Ob wochenlang ein Tor sich noch so sehr kasteit;
Wer treu der Lehre folgt, der übertrifft ihn weit.
71
Denn Untat setzt sich nicht, wie Milch im Sommer tut;
Sie folgt dem Toren, brennt, wie unter Asche Glut.
72
Sobald der Tor bemerkt, daß sie ihm Unheil bringt,
Zerstört sie, was noch gut, macht, daß sein Kopf zerspringt.
73
Ein Mönch, der, unverdient, im Rat den ersten Rang
Und Ruhm und Ehre sucht, beim Volke Lob und Dank,
74
Der denkt: "Mir sollen Volk und Mönche Achtung zollen,
Gebieten will ich, was sie tun und lassen sollen",
Der Tor, wie ist er doch an Stolz und Dünkel krank!
75
Nirvana ist ein Ziel, ein andres Weltlichkeit.
Den Buddhamönch, der dies verstanden hat, erfreut
Kein Ruhm, er liebt allein Zurückgezogenheit.
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