3 Makkabäer 5

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5. Kapitel: Ausführung des Mordbefehls auf den dritten Tag festgesetzt
1
Da berief er den Elefantenwärter Hermon,

war er doch mit bitterm Zorn und Grimm erfüllt und ganz unbeugsam.

2
Er befahl ihm,
[691]

auf den kommenden Tag alle Elefanten, fünfhundert an der Zahl,
mit vielen Händen Weihrauch und sehr viel unvermischtem Wein zu tränken
und sie dann, Wild geworden durch den reichlich gespendeten Trank,
dem Schicksal der Juden entgegenzutreiben.

3
Nach diesem Befehl wandte er sich zum Gelage,

wozu er die größten Judenfeinde
unter seinen Freunden und Kriegern eingeladen hatte.

4
Der Elefantenoberst führte nun den Auftrag pünktlich aus.
5
Die für die Juden bestellten Knechte gingen am Abend hinaus,

banden den Unseligen wieder die Hände
und trafen für sie alle Sicherheitsmaßregeln auf die Nacht,
weil sie glaubten,
daß das Volk auf einmal seinen Untergang finden sollte.

6
Die Juden schienen nun den Heiden

wegen der sie allseits umschließenden Fesseln und Banden
jedes Schutzes beraubt zu sein.

7
Aber sie riefen alle zum allmächtigen Herrn und Herrscher über alle Gewalt,

zu ihrem barmherzigen Gott und Vater,
ununterbrochen unter Tränen, indem sie ihn baten,

8
er möge den ruchlosen Plan gegen sie vereiteln

und sie durch eine herrliche Offenbarung
von dem unmittelbar drohenden Geschick erretten.

9
So stieg ihr Gebet anhaltend zum Himmel empor.
10
Hermon aber tränkte die unbarmherzigen Elefanten,

so daß sie mit reichlich gespendetem Wein angefüllt
und mit Weihrauch übersättigt wurden.
Frühmorgens ging er an den Hof, dem König Bericht darüber zu erstatten.

11
Nun gibt es seit Urzeiten her eine köstliche Wohltat,

die bei Tag und Nacht durch den gnädigen Spender
allen, denen er will, zuteil wird, der Schlaf,
und von diesem sandte er ein gut Teil dem König.

12
So ward er durch des Herrn Eingreifen

von einem gar süßen und tiefen Schlaf festgehalten,
so daß er in seinem ruchlosen Vorhaben schwer getäuscht
und in seinem unabänderlichen Entschluß betrogen wurde.

13
So entrannen die Juden der angesetzten Stunde;

sie priesen ihren heiligen Gott und baten wieder den leicht Versöhnlichen,
er möge den hochmütigen Heiden
die Stärke seiner allmächtigen Hand beweisen.

14
Nachdem die zehnte Stunde schon fast zur Hälfte abgelaufen war,

trat der mit den Einladungen Beauftragte herzu
und rüttelte den König auf,
weil er die große Zahl der Geladenen sah.

15
Er weckte ihn mit Mühe und meldete ihm,

die Zeit für das Mahl sei schon verflossen;
dann erstattete er ihm darüber Bericht.

16
Der König nahm ihn an;

dann wandte er sich zum Trinkgelage

[692]

und forderte die zum Mahl Erschienenen auf,
sich ihm gegenüber zu lagern.

17
Alsdann ermahnte er sie, sich der Luft zu überlassen

und das sie hoch ehrende Mahl mit Freuden zu genießen.

18
Als die Unterhaltung weiter fortschritt,

ließ der König den Hermon holen
und forschte ihn unter heftigen Drohungen aus,
weshalb die Juden an diesem Tag noch lebten.

19
Dieser erklärte ihm,

daß der Befehl bei Nacht vollständig ausgeführt worden sei,
und die Freunde bezeugten es.

20
Da sprach der König, an Grausamkeit noch größer als Phalaris,

das hätten die Juden seinem heutigen Schlaf zu verdanken;
„aber setze bis Tagesanbruch die Elefanten
in gleicher Weise zur Vernichtung der verruchten Juden in Bereitschaft!“

21
Den Worten des Königs zollten alle Anwesenden willig und freudig Beifall;

dann gingen sie, jeder in sein Haus.

22
Aber die Nachtzeit benützten sie nicht sowohl zum Schlafen

als zum Ersinnen von allerhand Verhöhnungen
für die vermeintlich Unglückseligen.

23
Kaum hatte der Hahn am frühen Morgen gekräht,

da schirrte Hermon die Tiere an
und reizte sie im großen Säulengang.

24
Die Volksmenge der Stadt aber strömte zu dem traurigen Schauspiel,

indem sie voll Ungeduld auf den Morgen wartete.

25
Die Juden aber erhoben in höchster Todesnot

unter vielen Tränen und mit Klagetönen ihre Hände zum Himmel
und richteten die flehentliche Bitte an den höchsten Gott,
er möge wieder ihnen schleunigst helfen.

26
Noch hatte die Sonne ihre Strahlen nicht ausgestreut,

als der König schon seine Freunde empfing.
Da trat Hermon heran und mahnte zum Aufbruch,
indem er meldete,
daß des Königs Wunsch jetzt erfüllt werden könne.

27
Als der König das vernahm,

ward er über den ungewöhnlichen Aufbruch betroffen;
es hatte ihn nämlich völliges Vergessen befallen,
und so fragte er,
was denn das sei, das für ihn so eifrig betrieben werde.

28
Dies aber war das Werk des allherrschenden Gottes;

dieser hatte ihn nämlich seine frühern Pläne vergessen lassen.

29
Hermon und seine Freunde meldeten nun die Bereitschaft der Tiere und der Truppen

„nach deinen ausdrücklichen Befehlen, König!“

30
Da ward er über diese Worte von heftigem Zorn erfüllt,

ward ihm ja doch durch Gottes Vorsehung der Verstand völlig benommen;
er blickte ihn scharf an und sagte drohend:

31
Wären deine Eltern oder deine Kinder hier,

so würde man sie den Tieren zum reichen Schmause vorwerfen

[693]

an Stelle der unschuldigen Juden,
die mir und meinen Vorfahren
in hervorragender Weise vollkommenste Treue hielten.

32
Fürwahr, geschähe es nicht aus Zuneigung infolge gemeinsamer Erziehung und deines Amtes,

dann müßtest du statt ihrer sterben.

33
Also erfuhr Hermon eine unerwartete, gefährliche Bedrohung;

er zeigte sich auch in Blick und Haltung ganz bestürzt.

34
Und von des Königs Freunden schlich einer nach dem andern mürrisch weg,

und sie schickten die versammelte Menge fort, jeden zu seinem Geschäft.

35
Als die Juden des Königs Wort vernahmen,

priesen sie Gott, den König der Könige, der seinen Ruhm kundgetan
und ihnen diese Hilfe hatte zuteil werden lassen.

36
Der König aber ließ das Gastmahl in gewohnter Weise stattfinden

und mahnte zu fröhlichem Treiben.

37
Dann ließ er den Hermon rufen und fuhr ihn drohend an:

Wie oft muß man dir, Unseliger, noch Befehle geben?

38
Rüste sofort die Elefanten für morgen zur Vernichtung der Juden!
39
Da wanderten sich seine Verwandten bei Tisch über seinen wankelmütigen Sinn

und erklärten Folgendes:

40
Wie lange, König, stellst du uns auf die Probe,

als ob wir Narren wären?
Schon zum dritten Mal befiehlst du, sie zu vernichten.
Sollte es aber zur Ausführung kommen,
dann änderst du deinen Sinn und machst deinen Befehl rückgängig.

41
Deshalb ist die Stadt vor lauter Erwartung in Unruhe;

zahlreiche Aufläufe finden statt,
und so läuft sie oft Gefahr, geplündert zu werden.

42
Da ward der König, in allem ein Phalaris, von Unvernunft erfüllt;

er beachtete nicht mehr die Sinnesänderung,
die sich in ihm zugunsten der Juden vollzogen hatte,
sondern schwur einen kräftigen, aber fruchtlosen Eid,
er wolle sie ungesäumt durch der wilden Tiere Knien und Füße zerstampfen lassen
und so ins Grab senden.

43
Auch wolle er gegen Judäa zu Feld ziehen

und es aufs schnellste durch Feuer und Schwert dem Erdboden gleichmachen;
auch wollte er ihren Tempel, den wir nicht betreten durften, schleunigst niederbrennen
und ihn für allezeit von Opferern entleeren.

44
Da brachen die Freunde und Verwandten hocherfreut und voll Zuversicht auf

und stellten die Truppen an den passendsten Plätzen der Stadt als Wachen auf.

45
Der Elefantenoberst aber gab den Tieren wohlriechendsten,

mit Weihrauch vermischten Wein zu trinken
und versetzte sie so in eine Art Raserei;
dann versah er sie noch mit fürchterlichen Werkzeugen.

46
Um die Morgenröte füllte sich die Stadt

mit unzählbaren Volksmassen gegen die Rennbahn hin.
Da ging er in den Palast und drängte den König zu der beabsichtigten Tat.

47
Da stürmte dieser, voll wilden Zorns im gottlosen Herzen,

voller Wucht zu den Tieren hinaus,

[694]

entschlossen, mit hartem Herzen und offenen Augen
das elende und jämmerliche Ende der zuvor bezeichneten Juden anzusehen.

48
Da sahen Juden die Staubwolke,

die sich von den das Tor durchziehenden Elefanten,
ihrer militärischen Begleitung und dem mitlaufenden Volk erhob.
und vernahmen den dröhnenden Lärm.

49
Nun glaubten sie,

ihr letzter Augenblick sei gekommen
und das Ende der schrecklichsten Befürchtung;
so überließen sie sich dem Jammern und Wehklagen,
küßten einander, umarmten die Verwandten,
fielen sich gegenseitig um den Hals,
die Eltern den Kindern, die Mütter den Jungfrauen;
andere hatten noch an der Brust Neugeborene,
die eben die letzte Milch sogen.

50
Sie nahmen aber die Kinder von der Brust

und warfen sich einmütig auf den Boden,
hatten sie doch die früher vom Himmel her erfolgten Rettungstaten erlebt.

51
Sie schrieen mit gar lauter Stimme

und flehten den Herrn über alle Macht an,
er möge sich doch durch eine Erscheinung ihrer erbarmen,
die schon an der Unterwelt Pforten stünden.

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